Beim Tao Qigong geht es um das Atmen und die Wahrnehmung von Qi.

In der daoistischen Vorstellung ist Qi, genannt auch „der kosmische Atem des himmlischen Drachens“, überall im Universum gegenwärtig. Am Anfang entsteht das Ursprungs-Qi (yuan qi), welches sich später mit Yīn und Yáng vermischt. Yáng qi, hell und klar, repräsentiert den Himmel und Yīn qi, dunkel und schwer, repräsentiert die Erde. Alle Lebewesen stehen in der Mitte zwischen Himmel und Erde und sie atmen beides, Yīn und Yáng. Ohne das Wissen über Qi ist die Ausübung von TCM, Fēng Shuǐ und der inneren Kampfkünste schwer vorstellbar. Die daoistische Philosophie nimmt die Embryoatmung im Mutterleib als Grundlage für ihre Atmungsmethode.

Bedingt durch Stress, wenig oder schlechte Bewegung und allerlei anderen gesellschaftlichen Einflüssen verschlechtern sich bei vielen Menschen der Atemvorgang und die Körperhaltung, was nicht ohne Folgen bleibt. Müdigkeit, Kopfschmerzen, Druckgefühle im Brustbereich und Verschleißerscheinungen an den Knochen und Gelenken – um nur einige der Folgen zu nennen – nehmen immer mehr zu. Trotz immer neuer Fitness- und Gesundheitstrends.

Im Tao Qigong lernen wir systematisch, unsere Atmung besser wahrzunehmen. Ein Ziel ist unter anderem die Haltungskorrektur und damit das Wohlbefinden und Leichtigkeit zu steigern.

Ein weiteres Ziel ist es auch, das Zwerchfell wieder auf seine Ursprungsposition zu verschieben, damit die oberen Organe wieder mehr Platz bekommen.

Ein weiterführendes Ziel ist es jedoch, unsere geistige Wahrnehmung noch feinfühliger zu machen. Darüber hinaus zielen die Übungen darauf ab, unsere Organe zu reinigen und zu stärken. Durch falsche Ernährung und Giftstoffe befinden sich Ablagerungen in unserem Körper. Das Tao Qigong hilft, uns von diesem Ballast zu befreien. Die eingeatmete Energie stärkt das Bindegewebe, die Organe, Sehnen, Knochen und das Knochenmark. Jedes Organ, das Gehirn, die Gelenke, die Knochen, Knorpel und Sehnen werden von Bindegewebe umhüllt. Die tieferen Faszien sind voll von hochsensorischen Rezeptoren, die auf Schmerzen, Bewegungsänderungen, Druck, Schwingungen und Temperaturunterschiede reagieren. In den Faszien verlaufen auch die Meridiane, die wir als Qi-Bahnen nutzen. Im Tao Qigong werden die Faszien durch die Meridiane (Energiebahnen) mit Qi gefüllt und gestärkt. Ebenso wird das Knochenmark gereinigt und die Knochen werden wieder flexibler.

Im Tao Qigong gibt es zudem Übungen, um unsere Augen systematisch zu trainieren. Hier wird die Augenmuskulatur vielseitig aktiviert. Die Regenerierung der Augen im Tao Qigong ist für die spätere Stufe in der Heilkunst wichtig.

Das Tao Qigong ist mitnichten eine esoterische Handlung, sondern vielmehr eine systematische Lehre über das Atmen, die Körperstrukturen und die Wahrnehmung von Energie und inneren Zusammenhängen.

Eine der wichtigsten Übungen ist das Baumumarmen, zuweilen auch Seidenhemd-Qigong genannt.