Ein Teil des Tao Qìgong beschäftigt sich mit der Heilkunst. Während des Studiums des Tao Qìgongs beschäftigen wir uns mit dem Wahrnehmen von Qì, wie wir mit dem Qì arbeiten, das Qì lenken und in unserem Körper zirkulieren lassen können. In dieser Stufe soll der Lernende in der Lage sein, mühelos mit dem Qì umzugehen, das Qì abzurufen und zu lenken sowie die verschiedenen Impulse und Signale des Körpers unterscheiden zu können.

Die westliche Medizin stützt sich – bei all ihren Errungenschaften – auf die wissenschaftliche Analyse und ihre Messbarkeit. Dies führt zu Befunden. So steht nicht der Mensch im Mittelpunkt des Heilungsprozesses, sondern die Krankheit sowie die Organe. Diese werden behandelt und die Beschwerden sind beseitigt – aber selten deren Ursache. Die alternative Heilungsmethode, dazu gehört auch das Tao Qìgong, betrachtet den Heilungssuchenden als einen Teil der kosmischen und energetischen Ordnung zwischen Himmel und Erde und den Polen von Yīn und Yáng. Es ist wichtig, aktive Lebensäußerungen und Emotionen zu beobachten, da diese die energetische Störung des Heilungssuchenden anzeigen können.

Die erste Stufe des Tao Qìgong beschäftigt sich mit dem kleinen himmlischen Kreislauf. Wir nehmen wahr, wie das Qì durch uns und in den Faszien und den Organen fließt. Wir haben gelernt, die verschiedenen Impulse wahrzunehmen. Daneben können wir andere Signale entdecken, wenn Störungen unser Gleichgewicht belasten. Durch die Wahrnehmung wird unsere Sensibilität für die gesendeten Impulse bzw. Signale geschult und mit längerem Training können wir die Signale deuten und verstehen, warum sie da sind. Beim Tao Qìgong lernen wir, die Signale dieser Störungen zu unterscheiden. Jede Störung sendet verschiedene Impulse. So ist z.B. ein Kopfschmerz nicht gleich Kopfschmerz. Die Signale sind jedes Mal anders, abhängig von der Situation, in welcher sie auftauchen. Mit mehr Übung gewöhnen wir uns an die Signale und lernen, diese zu unterscheiden. Das Qì selbst wird die Störungen identifizieren und verfolgt die Impulse bis zu deren Ursache. Eine ruhige Atmung wird die Ursache mit der nötigen Zeit entspannen. Ist diese entspannt, dann wird sich der Schmerz von sich aus beruhigen und auf natürliche Weise bis zum Nullpunkt neutralisiert. Als erstes versuchen wir, auf unser eigenes Wohlbefinden zu achten und dieses stets zu prüfen. Daher ist es beim Tao Qìgong wichtig, die Grundlagen immer wieder zu üben, so dass sich unser Körper länger entspannen kann. Die Übungen lehren uns, in der Bewegungslosigkeit jeden Zentimeter unseres Körpers zu fühlen und mit der darin fließenden Energie vertraut zu machen. Es gibt nur ein Qì oder ein universelles Energiefeld, aber jeder Mensch erlebt oder fühlt das Qì anders. Daher ist es wichtig, das Qì durch die Übungen so zu verstehen, dass wir es nicht nur oberflächlich kennen, sondern mit all seinen Veränderungen und Impulsen vertraut werden.

Später, im fortgeschrittenen Bereich des Tao Qìgong werden die bereits erwähnten Augenübungen gezielt trainiert. Die wenigsten von uns wissen, dass unsere Augen in der Lage sind, mehr als nur das Optische zu sehen. Wenn die Augen nur ihre Funktion als Sehorgan wahrnehmen, haben wir tatsächlich auch nur ein optisches Erlebnis. Arbeiten wir aber sowohl mit den Augen als auch dem Qì als universelle Energie, dann entwickeln wir eine ganzheitlichere Wahrnehmung.

Zusammen mit der entwickelten Wahrnehmung und Sensibilität für die Veränderungen der Energie sind wir in der Lage, weit in den Hintergrund, in die Aura-Ebene zu blicken und Störungen zu erkennen. Das hilft uns sehr, diese Störungen schneller zu erkennen, um diese konzentrierter zu behandeln. Dies gilt insbesondere, wenn wir beginnen, die Heilung nicht auf uns selbst zu begrenzen, sondern auch auf andere Personen ausweiten.

Die Verbindung zu dem Heilungssuchenden

Wenn jemand Interesse an eine alternativen Heilung zeigt und mich aufsucht, ist bereits die erste Verbindung hergestellt. Weitere Verbindung entsteht in der offenen Unterhaltung über den Heilungssuchenden. Neben dem Grund ihres Besuches und die Störungen, die sie fühlen, ist es umso wichtiger zu wissen, wie es um die emotionale Konstitution, Lebenssituation, die Verbindungen zur Umwelt und Menschen aussieht. So kann ein ganzheitlicher Überblick über die Umstände der Störung verschafft werden und bildet eine Basis für die spätere Behandlung.

Was geschieht wenn ein Heilungssuchender sich in der Behandlung begibt?

Bewusst vermeide ich die Begriffe „Patient“ und „Heiler“, da ich der Auffassung bin, dass durch sie Fronten definiert werden und den Heilungssuchenden in eine schlechte ungünstige Position bringen. Der Heilungsprozess in Tao Qigong basiert auf eine Zusammenarbeit zwischen den Heilungssuchenden und Heilungseinleitenden

Der Heilungssuchende selbst ist schon vor dem Gespräch bereit, sich auf die alternative Heilkunst einzulassen, er hat sich bereits vorher auf die Suche begeben.

Die Übung des Tao Qìgong versetzt den Übenden in die Lage, mit dem Qì zu arbeiten und dieses findet seinen Weg zu ihm. Wie bereits beschrieben, findet das Qì die Störungen und auch selber die Neutralisierung einleiten – ich sorge lediglich dafür, dass der Qì-Fluss aufrecht erhalten bleibt. Dadurch, dass ich die Signale kenne, die vom Qì ausgehen, weiß ich, welche Fragen ich dem Heilungssuchenden stellen muss. In dem Heilungsprozess fließt das Qì durch mich zum Heilungssuchenden, da dieses durch meine Absicht und vor allem Übung den Weg sofort finden kann. Ich bin sozusagen ein Träger oder ein Vermittler.

Wie oben geschildert ist das Wort „Heiler“ nicht zutreffen, denn wir machen nicht mehr als das Qì durch uns passieren zu lassen. Wo kein Heiler ist, ist auch kein Patient.

Wie funktioniert die Heilung mit dem Qì?

Viele alternative Heilmethoden, die mit Qìgong arbeiten, bieten dem Heilungssuchenden drei Heilswege. Bei vielen wird mit einer veränderten Sichtweise auf die Ursachen gearbeitet, welche die eigenen Heilkräfte mobilisiert. Unter Begleitung des Qì-Lehrers wird nach Wegen und Methoden gesucht, wie der Heilungssuchende zu sich selbst finden kann.

Der Kern der Heilung im Tao Qìgong ist die Heilung der inneren Ebene, in der das Qì zum Einsatz kommt. Wenn der Heilungssuchende und ich sich gemeinsam in einer Qì-Ebene befinden, wird das Qì die Ursachen aufspüren. Die Qì-Übertragung geschieht durch das Handauflegen. Die Störung sendet Impulse, die wir durch die entwickelte Sensibilität orten und deuten können. Diese Signale sind auch Basis für das später stattfindende tiefere Gespräch mit dem Heilungssuchenden. Durch das Qì können nicht nur die Blockaden entdeckt werden, sondern auch der Zustand jedes Organs. Die Störung wird von dem Qì gereinigt und positiv aufgerichtet. Genauso werden die Organe aufgeladen und neutralisiert.

Je nachdem, wie die Störungen den Heilungssuchenden belastet haben, kann eine Heilung der äußeren Ebene notwendig sein, um den Heilungsprozess zu beschleunigen. Das Qì beeinflusst nicht nur die Störungen, es gibt auch Rückschlüsse darauf, wie der Zustand des oberen Gewebes wie Muskulatur und Haut aussieht. Durch das Handauflegen können Spannungen in diesen Bereichen gelöst werden. Manche hartnäckige muskuläre Verhärtungen müssen durch Hilfe von Massagen gelöst werden, um den Zugang zu diesem Bereich öffnen zu können.
Ebenso sind ausgewogene Ernährungsgewohnheiten, Körperertüchtigung und Lebensgewohnheiten weitere Aspekte, die ebenfalls genauer zu dosieren sind.